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Selbstjustiz

Scharfschütze tötet Häftling im Gefängnis bei Grenoble

Achim Lippold

Artikel vom 29.09.2008 Letzte Aktualisierung am 29.09.2008 13:48 TU

Die Justizvollzugsanstalt von Varces bei Grenoble ( Photo : AFP )
Eine Szene wie aus einem Thriller: Kurz vor seiner Vernehmung zu einem Mordfall wurde gestern ein Häftling im Gefängnishof erschossen, von einem Scharfschützen. Dieser war auf einem naheliegenden Hügel postiert und gab insgesamt fünf Schüsse ab. Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach dem Angriff festgenommen, angeblich war Lauf seines mit einem Zielfernrohr ausgerüsteten Präzisionsgewehrs noch heiß. Im Gefängnis brach eine mehrstündige Meuterei aus.

Nach den Worten von Justizministerin Dati hatte der getötete Häftling Verbindungen zum organisierten Verbrechen und sollte zu einem Mordfall vernommen werden. Seit einiger Zeit tobt in Grenoble ein Bandenkrieg um Drogenhandel. Acht Menschen wurden seit 2007 im Zusammenhang mit dem Dealer-Konflikt erschossen. Der festgenommene Schütze bestritt jede Verbindung zu den Todesschüssen. Laut Dati wollte er mit einem Motorrad mit gefälschten Nummernschildern fliehen. Nach dem Vorfall brach unter den Gefangenen eine Meuterei aus. Häftlinge warfen Brandsätze und weigerten sich, in ihre Zellen zurückzukehren. In einer Werkstatt brach Feuer aus. Rund 100 Polizisten und Feuerwehrleute wurden zu der Haftanstalt entsandt, erst nach mehreren Stunden konnten sie die Lage unter Kontrolle bringen.

Am Montag morgen beruhigte sich die Lage in der Haftanstalt von Varces bei Grenoble. Wie die meisten Gefängnisse in Frankreich ist sie stark überfüllt. 300 Häftlinge teilen sich 200 Haftplätze. Personalvertreter prangerten die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen an. Justizministerin Dati sagte eine Reihe von Verbesserungen zu. Unter anderem sollen außerhalb der Gefängnismauern Überwachungskameras angebracht werden.