Eckart D. Stratenschulte
Artikel vom 28.01.2009 Letzte Aktualisierung am 28.01.2009 14:57 TU
Zur Zeit werden in Europa die Listen für die Wahlen zum Europäischen Parlament aufgestellt. Obwohl die Arbeit in Straßburg und Brüssel anstrengend und aufreibend ist, sind die Plätze begehrt. So mancher alte Hase muss um seinen Sitz im Parlament kämpfen, denn neue und junge Leute drängen nach.
Vor einigen Tagen haben auch die Grünen ihre Mannschaft zusammengestellt. Eine der Überraschungen war die Brandenburger Studentin Ska Keller. Sie hatte sich dem Parteitag mit einem frischen Auftritt empfohlen und sich mit dem Satz vorgestellt: Ich gehöre zu dem Typus „Politikerin ohne Enkelkinder“. Das ist auf den ersten Blick nicht erstaunlich, schließlich ist die Dame gerade 27 Jahre alt, da hat man selten Enkel. Sagen wollte die Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg natürlich: Ich bin jung! Nun ist das als solches kein Verdienst – und schon gar kein bleibendes. Selbstredend ist es nicht verkehrt, wenn auch Angehörige der jungen Generation in die Parlamente einziehen. Schließlich geht es vor allem um ihre Zukunft, wenn die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt werden.
Aber jung zu sein, reicht der Nachwuchspolitikerin nicht. Sie preist sich mit einem weiteren Vorteil an: Seht her, ich habe keine Enkel – und das heißt auch: keine Kinder!
Das ist also die positive Zuschreibung, mit der man parteiinterne Wahlen gewinnt. Hier die Spießer, die Kinder großziehen, die wiederum Kinder großziehen, dort die jung-dynamischen Politikerinnen und Politiker, die für sich damit werben, dass sie solche Lasten nicht am Hals haben.
Nun wird auch Frau Keller eines Tages alt sein und dann könnten ihr die Enkelkinder fehlen. Nicht nur, weil es lustiger ist, mit jungen Menschen zu reden, statt sich im Altersheim immer wieder die Redeschlacht im Europäischen Parlament vor 50 Jahren in Erinnerung zu rufen, sondern auch weil die Rente nicht von der Bank kommt, sondern von den Beitragszahlern.
Sicherlich würde die junge Dame, mit dieser Überlegung konfrontiert, sagen, so habe sie das nicht gemeint. Als Politikerin Dinge zu sagen, die man nicht so meint, ist allerdings eine recht alte Verhaltensweise. Dafür braucht man eigentlich keine neuen Leute, das können die derzeitigen Amtsinhaber schon ganz gut.
Das Neue sollte sich in Ideen ausdrücken, in Konzepten, in der Bereitschaft die Zusammenhänge von Politik zu sehen und sie zu gestalten. Das ist der Typus von Politikerinnen und Politikern, den wir dringend brauchen. Wie alt diejenigen sind, die das tun, ist eigentlich egal. Jugend ist gut, aber Alter ist kein Nachteil. Vor allem dann nicht, wenn man Kinder oder Enkel hat, die einem ein wenig auf die Sprünge helfen.
Eckart D. Stratenschulte von der Europäischen Akademie Berlin.
Glosse
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2010.01.18 10:51 TU
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